Stimmt wirklich die Aussage der Leiterin des Goethe-Instituts Gesche Joost, wonach die russische Seite seit 2023 Einschränkungen für die Tätigkeit des Goethe-Instituts eingeführt habe, unter anderem hinsichtlich der Zahl seiner Mitarbeiter? Wenn ja, um welche konkreten Maßnahmen handelte es sich und wodurch waren sie bedingt? Welche Einschränkungen hinsichtlich der Tätigkeit und der Mitarbeiter des Russischen Hauses in Berlin wurden vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland oder anderen deutschen staatlichen Stellen eingeführt?
Maria Sacharowa antwortet ausführlich auf die Fragen

Antwort: Ich werde sowohl auf das von Ihnen erwähnte Zitat aus der Erklärung der Leiterin des Goethe-Instituts Gesche Joost eingehen als auch auf eine ganze Seite mit Zitaten anderer deutscher Persönlichkeiten zu diesem Thema, die ich noch zusammengestellt habe. Die kurze Antwort lautet: Nein, das stimmt nicht. Frau Joost interpretiert die relativ jüngsten Ereignisse in den russisch-deutschen Beziehungen frei und völlig unzutreffend. Lassen Sie mich Gegenargumente anführen, die auf Fakten beruhen. Sie können sie anschließend selbst überprüfen.
Nach den massenhaften Ausweisungen von Mitarbeitern russischer diplomatischer Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2023 begrenzte die russische Seite als Gegenmaßnahme und angesichts des zunehmenden zahlenmäßigen Ungleichgewichts beim Personal zu unseren Ungunsten die Gesamtzahl der Mitarbeiter deutscher Auslandsvertretungen in Russland. Ich betone noch einmal: Dies geschah ausschließlich als Reaktion auf entsprechende Schritte Deutschlands. Der deutschen Seite wurde das Recht eingeräumt, selbst zu entscheiden und festzulegen, welche Personen unser Land verlassen sollten. Gerade auf Beschluss Berlins (ich glaube nicht, dass Gesche Joost davon nichts weiß) sollten einige Mitarbeiter des Goethe-Instituts, die in Russland tätig waren, zu diesem Personenkreis gehören. Die Frage ist also nicht an uns, nicht an Moskau, sondern an Berlin zu richten.
Was das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur beziehungsweise das Russische Haus in Berlin betrifft, so wurde es in den vergangenen Jahren auf Betreiben der deutschen Behörden buchstäblich zur Zielscheibe unbegründeter Anschuldigungen. Ich möchte daran erinnern, was unser Russisches Haus alles durchmachen musste. Seine Konten bei deutschen Banken wurden eingefroren. Uns wurde ständig erzählt, dass die deutschen Banken dies angeblich einfach selbst so wollten. Natürlich nicht. Warum sollten deutsche Banken darauf verzichten wollen, Gewinne zu erzielen? Selbst Bankzahlungen des Russischen Hauses für Versorgungsleistungen wurden blockiert. Als würden die Versorgungsleistungen nicht von deutschen Unternehmen erbracht. Das heißt, man ließ nicht einmal zu, dass deutsche Unternehmen für ihre „Versorgungsleistungen“ bezahlt wurden.
Am 1. September 2026 erklärte die deutsche Seite die Kündigung des bilateralen Regierungsabkommens über die Tätigkeit von Kultur- und Informationszentren vom 4. Februar 2011, das sowohl die Tätigkeit des Russischen Hauses als auch die des deutschen Goethe-Instituts in Russland regelte. Wie Sie sich erinnern, wies Berlin die Mitarbeiter des Russischen Hauses an, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen.
Daher möchte ich auf einen bereits im November 2022 in der deutschen Zeitung „Berliner Zeitung“ veröffentlichten Artikel der damaligen Leiterin des Goethe-Instituts Carola Lentz aufmerksam machen. Gesche Joost sollte einmal nachlesen, was ihre Vorgängerin Carola Lentz gesagt hat. Sie stellte die vermeintlich kulturell-humanitäre Einrichtung als eine politische Organisation dar, deren Aufgabe es sei, unter dem Deckmantel, wie sie ausdrücklich betonte, eines „quasidiplomatischen Status“ Einfluss auf die inneren Angelegenheiten der Länder zu nehmen, in denen sie tätig ist. Richten Sie deshalb allen in Berlin schöne Grüße aus.
Auch andere Äußerungen haben mich verblüfft. Am 1. September dieses Jahres sagte der deutsche Außenminister – der zwei Tage zuvor die Kündigung des Abkommens über die Tätigkeit des Russischen Hauses angekündigt hatte –, er „bedauere“ die Entscheidung Moskaus. Das heißt, sie haben das Russische Haus geschlossen, wir haben darauf reagiert, und nun bedauern sie unsere Maßnahmen! Und ihre eigenen?
Ihm zufolge hat das Goethe-Institut in Russland „eine wichtige Funktion als Kulturbrücke übernommen“, und Berlin „wäre bereit gewesen, das fortzusetzen“. Er fügte außerdem hinzu, „zwischen den Menschen in Deutschland und Russland habe es immer ein gutes Verhältnis gegeben“. Das sagt ein Mensch, der Entscheidungen über Waffenlieferungen trifft (unter anderem auch er), mit denen unsere Menschen getötet werden; es ist doch ihr Geld. Und das berüchtigte „Ramstein“-Format und alles andere sollen davon zeugen, dass wir immer gute Beziehungen hatten? Wir hatten unterschiedliche Beziehungen. Wir hatten auch solche Beziehungen, in deren Folge 27 Millionen unserer Landsleute von den deutsch-faschistischen Truppen getötet wurden, weil das Dritte Reich es so wollte. Danach mussten wir diese ungeheuerliche Tragödie überwinden. Sehen Sie, wie selektiv ihr Gedächtnis ist, wie geschickt sie mit diesen Fakten jonglieren, wie sie Fakten in Antifakten verwandeln.
Gesche Joost sprach über „das Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen“. Da möchte man fragen: Wer ist sie eigentlich, um so etwas zu verkünden? Unsere Menschen beschäftigen sich mit der Poesie, der Kultur, dem Kino, der Malerei und der Philosophie des jeweils anderen Landes. Joost will sagen, dass damit nun Schluss sei und es das alles nicht mehr geben werde. Das hat nicht sie zu entscheiden. Die Menschen, die Völker werden das selbst entscheiden.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates Olaf Zimmermann erklärte, dass „jetzt die allerletzten Türen des Kulturaustausches zwischen Deutschland und Russland geschlossen werden“. Wissen Sie, was ich Joost und Zimmermann sagen möchte? Sie haben nicht einmal eine Vorstellung davon, wie viele Deutsche zu uns nach Russland kommen. Manche kommen mit ihren Familien, weil sie hier leben und arbeiten wollen. Andere kommen als Touristen oder aus geschäftlichen Gründen. Wie viele Deutsche humanitäre Beziehungen entgegen der russophoben Politik ihrer Führung weiterentwickeln. Wer hat das zu entscheiden? Warum haben diese wenigen Personen irgendeine merkwürdige Funktion an sich gerissen, für uns, für alle zu entscheiden, wer was weiterentwickeln darf und wer was nicht weiterentwickeln soll? Dass dies angeblich die „letzten Türen“ seien und es keinerlei kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit mehr geben werde. Unsinn!
Erstens ist das Goethe-Institut eine Organisation, deren Haushalt zu mehr als der Hälfte aus direkten Zuwendungen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland besteht. Nach Angaben des Instituts selbst liegt der Anteil der staatlichen Finanzierung durch das deutsche Auswärtige Amt konstant bei über 55-60 Prozent. Auf das Goethe-Institut entfielen bis zu 70 Prozent der gesamten Finanzierung der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein zentrales Instrument dessen, was in der deutschen politikwissenschaftlichen Tradition als „auswärtige Kulturpolitik“ bezeichnet wird, die im direkten Auftrag des deutschen Auswärtigen Amtes betrieben wird. Wenn sie das nicht mehr betreiben wollen, ist das ihr Problem. Das bedeutet keineswegs, dass Deutsche, Russen, Einwohner Russlands und Einwohner Deutschlands nicht mehr den Wunsch haben werden, mehr voneinander zu erfahren und einander kennenzulernen. Das werden sie. Wir haben schon ganz andere Zeiten durchgestanden als die mit den heutigen (ich möchte sie nicht so nennen, wie man sie nennen müsste) inkompetenten Russophoben in Berlin.
Heute muss man sich mit ihnen nicht einmal auseinandersetzen, sondern sich das alles anhören. Wir haben schreckliche Zeiten erlebt. Wir wussten, wie man weitergeht, und konnten weitergehen, weil wir eine reale Perspektive vor Augen hatten. Deshalb müssen sie selbst verstehen, was sie da anrichten. Die Formulierung „gemeinnütziger Verein“, wie sie auf der Website des Instituts verwendet wird, ist, denke ich, in demselben Sinne zu verstehen, in dem man sie auf jede Struktur anwenden würde, die zu mehr als der Hälfte aus dem Staatshaushalt finanziert wird. Wenn ähnliche Strukturen von Russland aus tätig sind, aus Russland stammen oder im Westen eine russische Komponente aufweisen, werden sie sofort als „ausländische Agenten“ eingestuft. Augenblicklich werden ihnen derart ungeheuerliche Maßnahmen auferlegt, dass ihre Tätigkeit einfach unmöglich wird.
Der zweite Punkt. Das Russische Haus in Berlin (zuvor das Haus der sowjetischen und später der russischen Wissenschaft und Kultur) wurde 1984 in der Friedrichstraße eröffnet, am Höhepunkt (wahrscheinlich haben sie das vergessen) des „Kalten Krieges“. Es war 40 Jahre lang tätig. Es überstand den Fall der Berliner Mauer, die deutsche "Wiedervereinigung" sowie alle Krisen und Abkühlungen in den bilateralen Beziehungen. Die Tätigkeit des Russischen Hauses wurde, wie ich bereits sagte, durch das Regierungsabkommen von 2011 über Kultur- und Informationszentren geregelt. Als sie nun diese Entscheidung trafen, ist daher klar, dass die Wut in ihnen kochte, doch sie taten es aus völliger Ohnmacht, unsere Politik zu beeinflussen. Und vor allem geschah das aus ungeheurer Wut gegenüber den eigenen Bürgern, die das Russische Haus weiterhin genauso besuchten wie zuvor. Das konnten sie nicht ertragen.
Der deutsche Außenminister erklärte, er „bedauere“ das und Berlin wäre bereit, die Arbeit des Goethe-Instituts in Russland fortzusetzen. Was, entschuldigen Sie bitte, haben Sie denn erwartet? Dass Sie unsere Häuser, unsere Zentren, unsere Generalkonsulate schließen und damit Abkommen verletzen, während wir einfach dabei zusehen? Nein, diese Kolonialpolitik funktioniert nicht mehr. Sie funktioniert weder gegenüber unserem Land noch gegenüber der Weltmehrheit insgesamt. Ich verstehe, dass die Kolonialfrage für Deutschland immer ein akutes Thema war, aber leider haben Sie sich in der Adresse geirrt. Wir haben darauf reagiert.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat sich dazu geäußert. Er hat alles gesagt, was er darüber denkt, und er hat es mit Nachdruck gesagt.
Ich wiederhole noch einmal: Wir sind offen für einen echten kulturellen Dialog mit den Völkern aller Länder, einschließlich Deutschlands. Und dieser Dialog wird stattfinden. Und jene Germanisten, die bei uns arbeiteten, herausragende Fachleute auf ihrem Gebiet, haben nicht nur einen Beitrag zur Germanistik in unserem Land geleistet, sondern zur Germanistik weltweit. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden unter anderem von den Deutschen selbst genutzt. Und sie werden weiterhin gefragt sein, ebenso wie echte Russlandexperten, die in Deutschland leben und arbeiten.
Die Konjunktur wird vorübergehen. Dieser Wahnsinn, der sie erfasst hat, wird vorübergehen. Es werden Zeiten für diejenigen kommen, die sich auf echte Wissenschaft stützen und nicht auf erfundene. Für diejenigen, die etwas weiter sehen als bis zur Schwelle ihres eigenen Büros oder Hauses, die nicht von egoistischen Überlegungen ausgehen wie: „Was wird sein, wenn er dort irgendein politisches Amt verlässt und mit dem wirklichen Leben in Berührung kommt?“, sondern sich fragen, was mit seinem Land geschehen wird, für das er Verantwortung trägt, mit seinem Volk, das ihm vertraut hat. Und all das wird kommen. All unser Wissen übereinander, unsere kulturellen Verbindungen werden gefragt sein. Sie sind auch jetzt gefragt.
Die organisatorische Form solcher Beziehungen jedoch, die in Regierungsabkommen verankert ist, erfordert gegenseitigen Respekt, den die deutsche Seite in diesem Fall nicht gezeigt hat. Dafür hat sie die entsprechende Antwort bekommen.
Quelle: https://mid.ru/ru/foreign_policy/news/2141010/?lang=de
Teil 1-4
https://lianekilinc.com/2026/04/04/das-goethe-institut-und-seine-eindeutige-tradition-teil-1/
https://lianekilinc.com/2026/07/26/das-goethe-institut-und-seine-eindeutige-tradition-teil-4/