Neue Qualität der Bedrohung

Der Anschlagscharakter des Vorfalls hat die Sicherheitsbehörden in Alarmbereit-schaft versetzt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach nach Bekanntwerden von einer „hohen Bedrohungslage“. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/drohnenabwehr-bundespolizei-alexander-dobrindt-sprengstoff-drohne-flughafen-leipzig-halle-gxe

Das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum soll nach seiner Gründung im vergangenen Dezember nun noch einmal deutlich anwachsen.
Das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum soll nach seiner Gründung im vergangenen Dezember nun noch einmal deutlich anwachsen.

In der "Bild am Sonntag" kündigte der CSU-Politiker ein neues Forschungszentrum an. Dort sollen neue Technologien zur Drohnensicherheit entwickelt und getestet werden.

Neue Forschungseinrichtung in Sachsen-Anhalt

"Das Wettrüsten der Drohnentechnologie erfordert eigene Forschungseinheiten,
um Schritt halten zu können", sagte Dobrindt dem Blatt. Am 18. August solle am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt in Sachsen-Anhalt eine neue Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit errichtet werden.

Standortvorteil Cochstedt - Das DLR betreibt in Cochstedt bereits seit 2021 das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme. https://www.dlr.de/de/das-dlr/standorte-und-bueros/cochstedt Das Erprobungszentrum dient der Vernetzung und ermöglicht die Weiterentwicklung von UAS-Techno-logien. So nimmt es eine Vorreiterrolle für den Ausbau des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts im Thema UAS ein.

DLR-Standort Cochstedt; Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) Harzstraße 1
39444 Hecklingen
DLR-Standort Cochstedt; Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) Harzstraße 1 39444 Hecklingen

Mit der Eröffnung des neuen Sicherheitszentrums wird ein lang gehegter Wunsch der sachsen-anhaltischen Landesregierung Realität, den Standort zu einem nationalen Kernzentrum für Drohnenabwehr auszubauen. https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/millionenkosten-durch-drohnenvorfaelle-an-deutschen-flughaefen-in-2025

Tower des Nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme
Tower des Nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme
Koordinaten: 51.86014044566092, 11.423719439281623
Koordinaten: 51.86014044566092, 11.423719439281623
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Weitere Standorte: Braunschweig, Göttingen, Hannover, Stade und Trauen

Das Projekt CUSTODIAN bündelt unter der Leitung des Instituts für Flugsystem-technik die Kompetenzen von zwölf DLR-Instituten und Einrichtungen zur Drohnenabwehr. Schwerpunkte: Luftfahrt, Sicherheit, Verteidigung, Drohnen

Infografik: Das Projekt CUSTODIAN
Infografik: Das Projekt CUSTODIAN

Das gefährliche Flugobjekt konnte im Vorfeld nicht detektiert werden. Nur durch Zufall wurde die Drohne durch einen Flughafenmitarbeiter entdeckt und unschädlich gemacht. Offensichtlich hatte sich die Drohne zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Stunden auf dem Flughafengelände befunden. Zudem soll ein durchstartendes Frachtflugzeug mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt kollidiert sein. Dabei könnte es sich um eine Verstärker-Drohne gehandelt haben. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu den Vorfällen über-nommen. Auch der Nationale Sicherheitsrat ist in der Folge zu einer Telefonkon-ferenz zusammengekommen. https://www.deutschland.de/de/news/nationaler-sicherheitsrat-tagt-drohnenvorfall

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Das Fluggerät befand sich in der Nähe einer ukrainischen Antonow-Transport-maschine, die Vermutung liegt nahe, dass Russland hinter dem Anschlagsversuch steckt. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/dobrindt-nennt-drohnen-vorfall-hybrides-anschlagsszenario,VRS2hGI

In den USA beziehen sich Medien auf Geheimdienstinformationen,die ebenfalls darauf hindeuten, dass die Drohne aus Russland stammen könnte.

Ukrainische Frachtmaschine auf Leipziger Flughafen
Ukrainische Frachtmaschine auf Leipziger Flughafen

Dobrindt spricht vorsichtiger formuliert (noch) von einem Angriff „fremder Mächte“. Moskau weist jedwede Verantwortung von sich. Es bleibt abzuwarten, was die kriminaltechnischen Ermittlungen ergeben. Parallel dazu kam es in der darauffolgenden Nacht zu mehreren Drohnensichtungen über dem Bundeswehr-standort Mechernich (NRW), wo unter anderem Wartungen des Flugabwehr-systems Patriot durchgeführt werden. Auf jeden Fall sind die Vorfälle Warnsignale für die Verletzlichkeit des deutschen Luftraums und der Kritischen Infrastruktur (KRITIS) https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Regulierte-Wirtschaft/Kritische-Infrastrukturen/kritis_node.html

Bundeswehrstandort Mechernich (NRW)
Bundeswehrstandort Mechernich (NRW)

Wer ist zuständig? Der Bundesinnenminister sieht eine „neue Gefahrenqualität“ gegeben und ordnet die Geschehnisse als Teil einer hybriden Kriegsführung ein, die aus Spionage, Sabotage, Cyber-Angriffen und verdeckten Aktionen bestünden. Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bezeichnete den Vorfall als „besondere Eskalationsstufe“. https://www.airliners.de/bundesanwaltschaft-uebernimmt-ermittlungen-drohnenanschlag-leipzig/89486

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) kündigte an, die Sicherheitslage im Bereich der KRITIS überprüfen zu wollen. https://www.welt.de/regionales/sachsen/article6a75c836e04765407d9a29c9/innenminister-will-staerkeren-schutz-fuer-flughafen-leipzig.html

Roderich Kiesewetter, Verteidigungspolitiker der CDU, riet sogar zu NATO-Konsultationen nach Artikel-4, da die Zunahme hybrider Angriffe die Innere Sicherheit unterminiere.https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a739820cc46967c04cb0073/flughafen-leipzig-kiesewetter-fordert-nach-drohnen-vorfall-nato-konsultationen-nach-artikel-4.html

In Sicherheitskreisen kommt erneut eine Diskussion um klarere Zuständigkeiten für Erkennung, Überwachung und Bekämpfung von Drohnen auf. Bereits Anfang des Jahres hatte die Bundesregierung das Luftsicherheitsgesetz geändert, so dass die Bundeswehr nun in Ausnahmefällen als Unterstützung für die Polizeikräfte eingreifen kann.

Die Neuregelung erlaubt auch den Einsatz von Waffengewalt zur Verhinderung "schwerer Unglücke".

Ermächtigung der Betreiber

Kritik kam damals vor allem von Bündnis 90/Die Grünen, die eine Zentralisierung der Verantwortung bei der Bundespolizei gefordert hatten. Auch Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, plädiert deshalb für eine Zentralisierung beim Bundesinnenministerium oder bei der Bundespolizei. https://www.stern.de/news/roewekamp--innenministerium-muss-zentral-fuer-drohnenabwehr-zustaendig-sein-38069910.html

In jedem Fall muss die Detektion und die Abwehr von feindlichen Drohnen schneller und effektiver vonstatten gehen. Experten raten zudem zu einer engeren Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. In der Diskussion steht nun auch wieder, dass die KRITIS-Betreiber selbst die Abwehr unbemannter Flug-geräte übernehmen könnten, was derzeit rechtlich nicht möglich ist. In einem Entschließungsantrag forderte der Bundestag seinerzeit, die Regierung solle aufgrund der kurzen Reaktionszeiten in solchen Szenarien prüfen, ob die Befug-nisse der Betreiber diesbezüglich rechtssicher erweitert werden könnten. Während auf Bundesebene noch keine rechtliche Initiative in diese Richtung gestartet wurde, möchte Jan Redmann (CDU), Innenminister Brandenburgs, die Betreiber rechtlich dazu ermächtigen, da die Zeitspanne für eine Reaktion zu kurz sei. https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/schutz-kritischer-infrastruktur-redmann-will-betreibern-drohnenabwehr-ermoglichen-15862491.html

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU)
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU)

Der Bundesinnenminister veranlasste zunächst die Einrichtung eines zusätzlichen Radarpostens am Leipziger Flughafen, so dass Drohnen bereits frühzeitig auf größere Entfernung erkannt werden können. Die eingesetzte Technik soll zudem über Möglichkeiten verfügen, Drohnen gezielt zu stören und gegebenenfalls zur Landung zu zwingen. Mittel- bis langfristig setzt Dobrindt auf den Ausbau des Technologiezentrums für Drohnensicherheit am DLR-Testflughafen Cochstedt in Sachsen-Anhalt. Es soll am 18. August eingerichtet werden und Forschung, Entwicklung und praktische Erprobung von Drohnenabwehrtechnologien in Reallaboren ermöglichen.

Dabei sollen wissenschaftliche Forschung, technolo-gische Innovation und die praktischen Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammengebracht werden.

Besonders weitreichend ist der offenbar geplante Ausbau der Bundespolizei Drohnenabwehr.

Laut übereinstimmender Medienberichte soll die Zahl der Einsatzkräfte im Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) von bislang 150 auf 300 verdoppelt werden. Gleichzeitig soll die Zahl der bundesweiten operativen Stützpunkte von vier auf acht steigen.

Das BMI hatte diese Angaben zunächst nicht offiziell bestätigt. Gewerkschaften alarmiert Heiko Teggatz, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), spricht von einer „allgegenwärtigen Bedrohung“, die inzwischen herrsche. Auch er kritisierte die vielfältigen Zuständigkeiten der Luftsicherheit. Die Gefahrenabwehr müsse in einer Hand liegen, damit eine Drohne direkt nach ihrer Detektion auch entschärft werden könne. Dafür bedürfe es neben modernster Technik auch der entsprechenden Fachleute und rechtlichen Befugnisse an zentraler Stelle. Die Politik müsse dafür eine einheitliche Lösung für den effektiven KRITIS-Schutz finden. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101376404/drohnen-in-leipzig-polizeigewerkschaft-sieht-russland-bedrohung.html

Auch die GdP fordert insbesondere einen schnelleren Ausbau der Drohnenabwehr, eine bessere technische Ausstattung der Polizeibehörden, eine Harmonisierung der gesetzlichen Grundlagen sowie den Aufbau einer bundesweiten Abwehr-Infrastruktur.

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), mahnte bereits beim „Drone Resilience Day“ https://www.drone-resilience.de

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„Behörden müssen unbürokratisch mit der rasanten Drohnenabwehrtechnologie schritthalten und mit zusätzlichem Geld jederzeit wettbewerbsfähig, einsatzfähig und überlegen gehalten werden. https://www.presseportal.de/pm/42541/6309862

10.08.2026